Basis-Schema zu PrIM, Pragmatic Identity Matching

PrIM: Modell für das Management von Identität und Veränderung

Stefanie Koch Marke

Die besten Lösungen kommen immer von innen aus dem Unternehmen heraus. Besonders in komplexen, dynamischen Umfeldern ist es entscheidend, unterschiedliche Perspektiven und Inhalte zu integrieren und strukturiert zu führen. Hier setzt das Integrationsmodell von Dr. Markus Erbach an: Pragmatic Identity Matching, kurz PrIM. Es steht für eine ganzheitliche, identitätsorientierte Entwicklung von Unternehmen und Organisationen. Ein für NKI faszinierender Ansatz. Dazu hatten wir Fragen – die der PrIM-Entwickler uns schriftlich beantwortet hat. Das Ergebnis: Einblicke in die innovative Methodik und Denkweise von PrIM.

Vorweg: Welche Nutzen bietet Pragmatic Identity Matching für Unternehmen und deren Herausforderungen?

Die Nutzen von PrIM werden in Bezug auf alle denkbaren identitätsorientierten Themen deutlich: reibungslose M&A-Integration, authentisches Branding, echte Kundenintegration, strukturierte Selbstinnovation, präzises Compliance Management, geplanter Wandel, Effizienzsteigerung. Die jeweiligen Lösungen erschließen sich aus der von uns moderierten Definition der Kernidentität des Klientenunternehmens. Je nach Bedarf kann PrIM auf nur einen oder mehrere Leistungen und Nutzen ausgerichtet werden. Mit PrIM werden zuvor als unüberwindbar eingeschätzte Gräben zwischen Abteilungen, Unterschiede in Kooperationen mit Partnern, Hürden zu Märkten oder Schwellen zu Technologien greifbar und sind nachhaltig zu überbrücken.

PrIM fordert Mitarbeiter dazu auf, die Zukunft des Unternehmens aktiv mitzugestalten. Welche Auswirkungen hat das?

Bei jedem Mitarbeiter, in jeder Abteilung und in der Unternehmung als Ganzes verändert die Wahrnehmung der einzelnen Bereiche im Wirkungszusammenhang das Bewusstsein. Durch die transparente Struktur des PrIM-Modells werden die Merkmale der Unternehmensidentität für die beteiligten Akteure nicht nur sichtbar, vergleichbar und verständlich. Sie werden auch unmittelbar an aktuelle Themen oder eine zu lösende Aufgabe gebunden. Das PrIM-Konzept ist eine Einladung zur Mitwirkung und Übernahme der Verantwortung für die Beteiligten. Jedes Matching-Projekt basiert auf Beteiligung im Dialog miteinander und im Lernen voneinander.

Nach der zentralen Idee des PrIM-Konzepts verfügt alles, was Teil einer Veränderung ist, über eine Identität. Was bedeutet das?

Identität ist die als Selbst erlebte innere Einheit einer Person oder Organisation. Dagegen bezeichnet der Begriff der Persönlichkeit eher die auch von anderen wahrnehmbaren Eigenschaften, mit der sich eine Identität ausprägt. Ganz gleich bei wem und wie die Identität zum Ausdruck kommt: Eine gelungene Identitätsentwicklung strebt immer nach Stabilität und innerem Zusammenhang. Maßstab ist die positive Identifikation und Stimmigkeit mit sich selbst und die Bestätigung durch die Umwelt. Dieses sozialpsychologische Verständnis der Identitätsentwicklung als dynamische Integrationsleistung übertragen wir auf jede Art von Unternehmung, d. h. auf Wirtschaftsunternehmen, Organisationen, Kommunen und Behörden. Denn sie sind lebendige Organismen, die sich intra- und interorganisational durch das Lernen der Mitarbeiter und als lernende Organisation in einem Umfeld oder Markt in ihren verschiedenen Beziehungen formen und weiterentwickeln.

Wie macht Pragmatic Identity Matching Identitäten sichtbar?

Im PrIM-Konzept bieten wir keine Persönlichkeitsmerkmale an, sondern eine Matrix der Identitätsentwicklung. Entsprechend sind die Identitätsmerkmale im PrIM-Konzept immer nach einer 9-Felder-Identity-Matrix gegliedert: Struktur, Umfeld, Bewusstsein, Potenziale, Position, Aussagen, Repertoire, Kontaktbereiche sowie Rollen. Mit dieser Identity-Matrix integrieren wir alle innen- und außenwirksamen Inhalte und unterstützen unsere Kunden, die Identitätsmerkmale ihres Unternehmens selbst zu beschreiben.

Was sind die groben üblichen Prozessschritte einer PrIM-Anwendung?

Im Auftaktgespräch mit dem Kunden klären wir das Anliegen, analysieren die Ausgangslage und legen fest, wohin es gehen soll. Ausgehend vom Soll-Zustand wird die PrIM-Identity-Matrix individuell angepasst und dazu ein Fragenkatalog an ausgewählte Mitarbeiter ausgegeben. Je nach Prozessanliegen werden die PrIM-Ergebnisse in Workshops präsentiert und daraus in einzelnen Teams die Lösungen weiterentwickelt. Oder die Ergebnisse dienen dem Management für die Visualisierung von Szenarios und als strategisches Entwicklungsinstrument. Die Lösungen und die jeweils weiteren Schritte folgen stets dem individuell erkannten Bedarf und sind entsprechend vielfältig. Elementar ist, dass wir nichts ins Unternehmen hineingeben, was nicht darin an Ressource oder Kompetenz schon enthalten wäre. Was fehlt, wird passgenau entwickelt oder nach Bedarf akquiriert.

Wie wird die PrIM-Identity-Matrix angewandt?

Man kann sich das so vorstellen: Unsere PrIM-Identity-Matrix ist ein gedanklicher Entwicklungsraum. Man kann ihn jederzeit betreten und wieder verlassen, ganz gleich aus welcher Unternehmensrealität man gerade kommt. Keine Struktur im Unternehmen muss für die Nutzung der Matrix verändert oder gar verbogen werden. Man kann in der PrIM-Identity-Matrix gemeinsam die Lösungen entwickeln, die dann in den einzelnen realen Strukturen des Unternehmens umgesetzt werden können.

Die PrIM-Identity-Matrix ist eine transparente Integrationsstruktur für das Wissen und die Beiträge der beteiligten Mitarbeiter. Bei der integrierten Bedarfsanalyse stellen wir zu jedem der neun Inhaltsmodule zur Unternehmensidentität Fragen zur gegebenen Situation, zu erkannten Optimierungsbedarfen und zu Verbesserungsvorschlägen. Damit analysieren wir die Unternehmung realitätsnah und identifizieren Probleme genau dort, wo sie auftreten.

Ist ein übergeordnetes Ziel oder Problem schon vor einer solchen Analyse durch bestimmte zwingende Anlässe oder Ereignisse bekannt, wenden wir die gezielte Themenimplementierung an: Hier wird die PrIM-Identity-Matrix zum unmittelbaren Werkzeug der Umsetzung für spezielle Aufgaben wie Branding, Innovationsentwicklung oder Compliance-Umsetzung. Indem wir eine solche übergeordnete gestellte Aufgabe auf jedes Identitätsmodul der Matrix beziehen, durchdringt ihre Umsetzung systematisch das ganze Unternehmen. Und erweitert so die Unternehmensperspektiven.
Auf der Makroebene nutzen wir die PrIM-Identity-Matrix für die Integration anderer Identitäten, mit denen das Unternehmen Matching anstrebt, zum Beispiel für einzelne Zielgruppen oder Kooperationspartner. Wir können alle nach dem PrIM-Modell strukturierten Identitäten systematisch in jedem einzelnen Modul der Unternehmensidentität vergleichen und in Teilbereichen oder als Ganzes mit dem Unternehmen abgleichen – das ist das Identity Matching.

Im Zeithorizont können wir Pragmatic Identity Matching darüber hinaus auch für die Planung und Moderation von mittel- und langfristigen Veränderungsprozessen einsetzen. Das fiktive Beispiel (siehe Illustration oben) erklärt, wie die PrIM-Identity-Matrix eine Unternehmung schrittweise verändern und zu einem Fernziel führen kann: in geplanten Iterationsprozessen (dafür steht der Kringel) von einem zum nächsthöheren Etappenziel.

Welches Mindset ist aufseiten der Unternehmen erforderlich?

Seitens der Kunden erfordert es die Bereitschaft für integratives Denken und kooperatives Handeln auf allen Ebenen. Erst dadurch eröffnet sich der wirkliche Zugriff auf alle Ressourcen und ihre zielorientierte Aktivierung, erst dadurch werden wirklich nachhaltige Lösungen von innen heraus entwickelt. Wenn engagierte Auftraggeber die PrIM-Identity-Matrix zur geplanten inhaltlichen Integration nutzen, überraschen uns die Ergebnisse immer wieder. Denn PrIM tut selbst nichts, es ist vielmehr eine intelligente Infrastruktur für das Tun und die Inputs der Beteiligten. Darin liegt die Innovationskraft.

Von Expertenberatern, die fertige Tools und Prozesse implementieren, grenzt PrIM sich ab. Welches Rollenverständnis gilt hier?

Damit PrIM funktioniert, müssen auch wir als Berater besondere Voraussetzungen erfüllen.
Für uns ist das Selbstverständnis als Moderator erforderlich. Ausgehend von der Annahme, dass eine Unternehmung in der Regel der bessere Wissensträger über das eigene Fach und das Marktumfeld ist als jeder externe Berater, wissen wir, dass die wahre Lösungskompetenz im Unternehmen selbst verborgen ist. Gute Ratschläge geben oder Lösungen anzubieten ist nicht unser Ziel. Auch wenn wir in Engpässen Auswege zeigen. Wir sind Moderatoren der Selbsterneuerungsprozesse unserer Klienten. Mit einem identitätsorientierten, wertneutralen und skalierbaren Integrationsmodell. Es funktioniert, indem der Klient es sich zu eigen und zunutze macht.

Was hat Dich dazu bewogen, diesen Ansatz zu entwickeln?

Wenn ein Anbieter wie zum Beispiel ein Unternehmen, bestimmte Inhalte über Medien vermittelt, ohne die Adressaten einzubeziehen, verfolgt die Kommunikation meist einseitige Interessen oder verfehlt ihren Zweck. Dies gilt ebenso für die Kommunikation im Internet und in den Social Media. Dort sind zwar durch gemessenes Nutzerverhalten und dialogorientierte Bedarfsmeldungen der Zielgruppen weniger Streuverluste zu verzeichnen. Nicht jedoch weniger Manipulation. Auch führen gemessenes Mediennutzungsverhalten, Marktforschung und Zielgruppenbefragungen nicht zur realitätsnahen Kenntnis der Lebenswelt und Einstellung der Kommunikationspartner.

Durch die Auseinandersetzung mit Kommunikationswissenschaft, Philosophie und BWL im Rahmen meiner Dissertation stellte ich fest: Wissenschaftliche Erkenntnisse, die uns über Wahrnehmung und Kommunikation schon lange zur Verfügung stehen, werden selbst für nachhaltige Kommunikationsanliegen von den Initiatoren nicht berücksichtigt. Offenbar fehlen dafür geeignete Modelle und Routinen. So wurde die Entwicklung eines „Anwendungsmodells der geplanten inhaltlichen Integration“ die Herausforderung für meine Dissertation.

Ziel war die Aufhebung des klassischen einseitigen Sender-Empfänger-Prinzips zugunsten einer grundsätzlichen Symmetrie und Dialogorientierung der Kommunikationsteilnehmer. Und die Gewährleistung einer Metaebene zur Planung der Kommunikation als Konstrukt an sich.

Dr. Markus Erbach
hat die Identitäts-, Organisations- und Markenentwicklung von über 100 Unternehmungen im In- und Ausland beratend begleitet. In seiner Dissertation entwickelte er den Pragmatic Identity Matching-Ansatz (PrIM). Das PrIM-Integrationsmodell ermöglicht die strukturierte Beschreibung und Abstimmung der Beiträge unterschiedlichster Akteure in kooperativen Entwicklungs- und Veränderungsprojekten. PrIM eignet sich für das Management von Komplexität und Innovation. Die Anwendung auf die zielgerichtete offene Innovation im europäischen Kontext wurde im Springer Journal of the Knowledge Economy (USA 2016) exemplarisch beschrieben. Mehr Informationen: www.pragmatic-identity-matching.com

 

Senior Beraterin, systemischer Coach und Sparringspartner für strategische Markenkommunikation, Methoden- und Organisationsentwicklung. Menschen und Unternehmen in Kontinuität und Dynamik ausgewogen zu unterstützen ist das Kernanliegen der Dipl. Kommunikationswirtin und ehemaligen Marketingleiterin.

 

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